Quartierskonzept und Sanierungsmanagement Jevenstedt

Im Rah­men eines im Pro­gramm KfW 432 geför­der­ten Quar­tiers­kon­zep­tes unter­such­te IPP ESN die Mög­lich­kei­ten einer kli­ma­neu­tra­len, siche­ren und preis­lich attrak­ti­ven Wär­me­ver­sor­gung für den alten Orts­kern der Gemein­de Jeven­stedt. Eine Ver­sor­gung durch ein Wär­me­netz, aus­ge­hend von Schu­le und Frei­bad als Anker­kun­den, zeig­te sich dabei als wirt­schaft­lichs­te Mög­lich­keit der Wär­me­ver­sor­gung, auch im Ver­gleich zu dezen­tra­len Ver­sor­gungs­op­tio­nen wie Wär­me­pum­pen, Pel­lets oder Erd­gas­kes­seln. Die von einem Koope­ra­ti­ons­part­ner ermit­tel­ten mög­li­chen Redu­zie­run­gen des Wär­me­be­darfs durch Gebäu­de­sa­nie­run­gen fan­den dabei Berücksichtigung.

Für das Wär­me­netz kom­men ver­schie­dens­te Wär­me­quel­len in Betracht: In Abstim­mung mit den Betrei­bern ver­schie­de­ner umlie­gen­der Bio­gas­an­la­gen mit BHKW stell­te sich die Fra­ge nach der Abwär­me­nut­zung, wobei ange­sichts der Ent­fer­nun­gen auch ein Wär­me­trans­port über mobi­le Con­tai­ner geprüft wur­de. Eine Alter­na­ti­ve ist die Nut­zung von Bio­mas­se (Holz­hack­schnit­zel), ggf. in Kom­bi­na­ti­on mit Freiflächen-Solarthermie.

Eine inten­si­ve Öffent­lich­keits­ar­beit ergab gro­ßes Inter­es­se am Wär­me­netz. Auf Basis der von IPP ESN vor­ge­stell­ten mög­li­chen Betrei­ber­mo­del­le ent­schied die Gemein­de sich, im Sin­ne kom­mu­na­ler Daseins­vor­sor­ge Eigen­tü­me­rin des Wär­me­net­zes zu sein, und es zum Betrieb für zunächst 20 Jah­re an einen erfah­re­nen Betrei­ber zu ver­pach­ten. So wird der lang­fris­ti­ge Ein­fluss der Gemein­de gesi­chert, was u. a. dann rele­vant wird, wenn in der Gemein­de als Fol­ge anste­hen­der Infra­struk­tur­maß­nah­men wei­te­re Abwär­me­quel­len wie z. B. Elek­tro­ly­se oder Rechen­zen­tren ent­ste­hen. Zudem kön­nen so Kom­mu­nal­kre­dit­kon­di­tio­nen genutzt und län­ger­fris­ti­ge Refi­nan­zie­run­gen und Abschrei­bungs­dau­ern zur Anwen­dung kom­men, was wie­der­um güns­ti­ge­re Wär­me­prei­se erlaubt.

Die Umset­zung des Kon­zep­tes wur­de dann von IPP ESN im Rah­men des eben­falls aus dem Pro­gramm KfW 432 geför­der­ten „Sanie­rungs­ma­nage­ments“ beglei­tet. Nach Abstim­mung mit der KfW als För­der­mit­tel­ge­ber betrach­te­ten wir dabei über den alten Dorf­kern hin­aus den gesam­ten Orts­kern. Der Fokus des Sanie­rungs­ma­nage­ments lag vor allem auf der Suche nach einem Unter­neh­men zum Bau und (zunächst) 20-jäh­ri­gen Betriebs des Wär­me­net­zes. IPP ESN beglei­te­te hier, in Koope­ra­ti­on mit einer von der Gemein­de sepa­rat beauf­trag­ten Anwalts­kanz­lei, eine EU-wei­te Aus­schrei­bung in Form eines Ver­hand­lungs­ver­fah­rens mit Teil­nah­me­wett­be­werb. Wir defi­nier­ten im Dia­log mit der Len­kungs­grup­pe der Gemein­de und der Anwalts­kanz­lei die fach­li­chen Anfor­de­run­gen an die Bie­ter und den Bau und Betrieb des Net­zes, prüf­ten Teil­nah­me­an­trä­ge, führ­ten Bie­ter­ge­sprä­che, ver­ein­bar­ten Erfolgs- & Abbruch­kri­te­ri­en und han­del­ten den Ver­trag aus.

Nach­dem die Ver­hand­lun­gen mit dem prä­fe­rier­ten Bie­ter ver­ga­be­reif waren, erga­ben sich ver­tie­fen­de Gesprä­che mit der Kom­mu­nal­auf­sicht des Krei­ses über die geplan­te Inves­ti­ti­on. Ein kri­ti­scher Punkt waren die Anfang 2026 noch gel­ten­den Vor­ga­ben des Lan­des, nach denen die Kre­dit­auf­nah­me und anfäng­li­che Ver­lust­vor­trä­ge in Rela­ti­on zum Gesamt­haus­halt zu set­zen sind – unab­hän­gig davon, dass das Pro­jekt eine lang­fris­ti­ge Ren­ta­bi­li­tät erwar­ten lässt. Um die­ses Hemm­nis zu über­win­den, betei­lig­ten wir uns an Abstim­mun­gen mit der Lan­des­re­gie­rung auf Staats­se­kre­tärs­ebe­ne. Nach aktu­el­lem Stand (Mai 2026) sol­len nun die bestehen­den Vor­ga­ben des Lan­des dahin­ge­hend ange­passt wer­den, dass ren­ta­ble Inves­ti­tio­nen bei der Prü­fung des Haus­halts durch die Kom­mu­nal­auf­sicht „vor die Klam­mer“ gezo­gen wer­den und die dafür nöti­ge Kre­dit­auf­nah­me kein Hemm­nis mehr für die Inves­ti­ti­on darstellt.

Die Ände­run­gen der Lan­des­vor­ga­ben sol­len Lau­fe des Jah­res 2026 erfol­gen, so dass anschlie­ßend das Ver­ga­be­ver­fah­ren abge­schlos­sen wer­den kann. Auf­ga­be des Betrei­bers ist dann die kon­kre­te Anspra­che der Wär­me­kun­den und im Erfolgs­fall die Rea­li­sie­rung des Wärmenetzes.